Archiv für das Jahr: 2017

Appell an den Gemeinsinn

Es ist eine wunderbare Sache, dass es Facebook-Gruppen und deren Pendants auf Xing, Linked In und bei anderen sozialen Medien gibt. Gruppen, in denen wir uns thematisch wiederfinden und die uns rund um die Uhr mit unseren Lieblingsthemen versorgen. Nie war die Pilotenschaft enger zusammengerückt, miteinander verbunden und besser erreichbar als heute. Nie machten Themen schneller die Runde und nie war der Austausch so einfach. In den einschlägigen Communities bekommt man Antworten auf Fragen, bei denen man sonst nicht wüsste, wem man sie stellen soll oder man bleibt durch einfaches Mitlesen auf der Höhe der Zeit und in Tuchfühlung mit dem, was sich tut, in der Welt der Flieger.

Trotzdem sollte man sich vor Augen führen, dass in den sozialen Netzwerken nicht alles erreicht werden kann, was zu so einem großen Themenfeld wie der Luftfahrt gehört. Soziale Netzwerke sind nicht organisiert. Sie bilden Meinungen oder sorgen wenigstens für Kontroversen, aber sie verfügen über keinerlei Organisationsstruktur und keine Exekutive. Sie hören dort auf zu existieren, wo die virtuelle Welt endet. Zurück in der Realität haben sie faktisch keine Bedeutung mehr.

Aus diesem Grunde dürfen wir nicht vergessen, wer hier für unsere Themen steht, sie repräsentiert und sie ggf. vertreten kann. Das sind vor allem die Vereine und Verbände, in denen viel Arbeit geleistet wird – und das nicht selten ehrenamtlich – um die Fliegerei und ihre Belange in der Gesellschaft zu verankern und zu repräsentieren.

Aber auch die einschlägigen Magazine sind hier zu nennen: Beispielsweise das Fliegermagazin, der Aerokurier oder Pilot und Flugzeug. Im deutschsprachigen Raum sind wir hier noch gut aufgestellt.

In diesem Sinne:

Stärkt unsere Infrastruktur. Engagiert Euch in einem Verein. Auch hier, unter Gleichgesinnten, bleibt man nahe an seinem Metier, hat Austausch und mehr Möglichkeiten als ein einfacher Charterkunde.

Denkt über Mitgliedschaften in unseren Verbänden nach, der AOPA, dem LVB oder dem DAeC, um ein paar zu nennen und leistet Euch Abonnements für unsere Zeitschriften, damit wir in der glücklichen Lage bleiben, diese kleine Vielfalt zu haben. All diese Dinge tun nur einmal im Jahr kurz weh – wenn die Rechnung komm –  machen sonst aber viel Freude durch angenehme Post in Form von Magazinen (alle genannten Verbände haben Ihre Printmedien) und stärken uns den Rücken.

Tollkühne Frauen in ihren fliegenden Kisten

Die Flugwerft Schleißheim zeigt in einer neuen Sonderausstellung „Fliegen zwischen Traum und Wirklichkeit: Weibliche Piloten in der Geschichte der Luftfahrt“

pilotinnen_beese(Oberschleißheim, 23. Februar 2017) „Frau am Steuer“ – drei kleine Worte, die auch heute noch oft mit dem Bild der unbeholfenen und technikfernen Weiblichkeit fortgedacht werden. Wie schwer müssen es da einst die Pionierinnen im Cockpit gehabt haben? Diese und weitere interessante Fragen rund um das Thema „Weibliche Piloten in der Geschichte der Luftfahrt“ beleuchtet jetzt eine neue Sonderausstellung in der Flugwerft Schleißheim. „Fliegen zwischen Traum und Wirklichkeit“ zeigt, mit welchen gesellschaftlichen, kulturellen und sozialen Problemen die Pilotinnen zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu kämpfen hatten. Die Wanderausstellung, die von der Bremer Kulturwissenschaftlerin Dr. Maria Hermes-Wladarsch kuratiert wurde, ist bis 21. Mai 2017 in der Zweigstelle des Deutschen Museums zu sehen.

Im Mittelpunkt stehen die Biografien weiblicher Piloten wie Melli Beese, Thea Rasche oder Hanna Reitsch. „Was bewegte diese Frauen, ihren Traum vom Fliegen zu verwirklichen? Wie gingen sie damit um, wenn ihnen Steine in den Weg gelegt wurden? Wie ließen sie sich für das jeweils herrschende System instrumentalisieren?“ Diesen Fragen lässt Kuratorin Maria Hermes-Wladarsch die Besucher mit zahlreichen Texten, Bildern

und an Hörstationen nachspüren. Zur Veranschaulichung gibt es neben den Texttafeln und großformatigen Bannern auch Fotografien, Dokumente und Exponate wie Kleidungsstücke aus jener Zeit. Und natürlich bilden die historischen Flugzeuge in Schleißheim einen perfekten Rahmen: „Direkt vor dem Ausstellungsraum steht zum Beispiel der flugfähige Nachbau des Udet U 12 Flamingo, mit dem Thea Rasche geflogen ist“, sagt der Leiter der Flugwerft, Gerhard Filchner.

Das Bild von der Frau am Flugzeug-Steuer wird zum ersten Mal in dieser Form nachgezeichnet. „Wie männerlastig die Fliegerei angesehen und immer wieder dargestellt wird, belegt schon der Titel des bekannten Action-Films ‚Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten‘ von 1965“, sagt Gerhard Filchner. „Dass aber auch Frauen wesentliche Beiträge zur Luftfahrtgeschichte geleistet haben, macht diese Sonderausstellung sehr anschaulich klar!“ Und sie führt den Strang fort bis in die Gegenwart, in der sich das Denken durchaus schon stark verändert hat.

Aber auch 30 Jahre nachdem die ersten Pilotinnen bei der Lufthansa ausgebildet wurden, beträgt der Anteil der weiblichen Kapitäne bei der Kranich-Airline nur sechs Prozent. „Früher mussten Frauen in technischen Berufen um gesellschaftliche Akzeptanz kämpfen, das hat sich erfreulicherweise geändert“, sagt Wolfgang M. Heckl. Der Generaldirektor des Deutschen Museums weiß aber auch, dass es immer noch viele Hürden gibt, speziell in der Arbeitswelt. „Für eine erfolgreiche Zukunft brauchen wir gerade auch im naturwissenschaftlichen und technischen Bereich noch mehr Frauenpower, wie sie die tollkühnen Ladies in ihren fliegenden Kisten damals verkörpert haben!“

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