Archiv für den Monat: August 2015

Fliegerhorst Fürstenfeldbruck

Die Geschichte des Fliegerhorstes Fürstenfeldbruck

Luftaufnahme Fliegerhorst Fürstenfeldbruck 1964

Luftaufnahme des Fliegerhorst Fürstenfeldbruck vom Juli 1964. Fünf Monate zuvor verlegte die Waffenschule der Luftwaffe 50 von Erding und wurde in Fursty mit der FFS “B” verschmolzen.

Die Aufbauphase

Flugzeug Hans Jehle

Hans Jehle flog das Schul- und Sportflugzeug vom Typ Klemm 25 und nahm 1933 bei Flügen von der Hasenheide aus mehrfach Passagiere mit.

Das Gelände zwischen Fürstenfeldbruck und Maisach wird “Hasenheide” genannt. In den frühen dreißiger Jahren fanden hier erste Flugbewegungen statt. Der Münchner Pilot Hans Jehle führte im Sommer 1933 mehrere Passagierflüge durch. Ein Jahr danach demonstrierte Willi Stöhr über dem Areal sein Können im Kunstflug. Mit der erneuten Einführung der allgemeinen Wehrpflicht und dem Ende der Aufrüstungstarnung begann 1935 der Aufbau einer deutschen  Luftwaffe im großen Stil. Viele neue Flugplätze entstanden und so fiel die Wahl auch auf die landwirtschaftlich genutzten Flächen der Hasenheide. Die „Deutsche Luftverkehrs- und Handels- A.G Berlin”, auch kurz “Delhag” genannt, berief am 21. September 1934 die entsprechenden Grundstückseigentümer zu einer Versammlung in das „Maisacher Bräuhaus“. Ziel war zunächst die Errichtung eines Notlandeplatzes und so wurden Anfang November 1934 die ersten Pachtverträge abgeschlossen. Ein Jahr später wurde der Plan zur Nutzung des Areals als Flugplatz mit regelmäßigem militärischen Flugbetrieb bekannt gegeben. Am 1. Oktober 1935 begannen die ersten Baumaßnahmen und ein Jahr später war bereits Richtfest. Architektonische Besonderheiten stellen der 998 Meter lange „Kilometerbau“ und der Turmbau am Schulungsgebäude dar. Im Frühjahr 1937 belegten erste Truppenteile den Platz – die Fliegerhorstkommandatur mit einer unterstellten Kompanie.

LKS 4

Am 1. Oktober 1937 wurde in Fürstenfeldbruck nach Dresden-Klotzsche, Berlin-Gatow und Wildpark-Werder die vierte Luftkriegsschule (LKS 4) in Dienst genommen. Für die fliegerische Ausbildung stand eine planierte, festgewalzte Rasenfläche mit Startbahn von etwa 1.000 Metern Länge zur Verfügung. 1943 wurde diese in einer Breite von 45 Metern betoniert und ein Jahr später um weitere 500 Metern nach Westen verlängert. Von November 1939 bis Oktober 1940 verlegte die LKS 4 nach Neuhausen/Königsberg. Für den Bahntransport wurden auf dem Fliegerhorst verlegte Gleise genutzt, die zum Bahnhof Maisach führten. In den Jahren 1943 und 1944 war der Bedarf an fliegerischem Nachwuchs so groß, dass auch sonntags Flugbetrieb durchgeführt wurde. Anfang 1945 musste die fliegerische Ausbildung wegen Treibstoffmangels eingestellt werden. Am 9. April 1945 erfolgte der erste und einzige Bombenangriff mit insgesamt 333 Flugzeugen des Typs Boeing B-17 Flying Fortress. Die Startbahn, Rollwege und der technische Bereich wurden dabei größtenteils zerstört, aber die Unterkunftsbereiche blieben weitgehend unversehrt. Bakannte Flugschüler sind der spätere Bundeslandwirtschaftsminister D. Josef Ertl (1925-2000) und der Jagdflieger Hans-Joachim Marseille (1919-1942). Wegen seiner Erfolge auf dem nordafrikanischen Kriegsschauplatz erhielt er auch den Beinamen “Stern von Afrika”.

Die Zeit der Amis

Luftaufnahme Fliegerhorst Fürstenfeldbruck 1946

Der Flugplatz Fursty im Jahr 1946 mit Blich in Richtung Osten.

Am 29. April 1945 marschierten die Amerikaner in Fürstenfeldbruck ein und damit war der 2. Weltkrieg für die Brucker Bürger beendet. Ein Jahr später wurde der Fliegerhorst Unterkunft eines US-Ersatztruppenteils und Heimathafen der 36th US Fighter Wing, der erste Verband der US-Air Force im Nachkriegseuropa, der mit Düsenflugzeugen ausgerüstet war. In den Jahren 1946 und 1947 erfolgte eine Start- und Landebahnverlängerung an beiden Enden um jeweils 300 Meter. Am 20. Januar 1950 wurde die 36th Fighter Wing in Fighter Bomber Wing (FBW) umbenannt. Zur Aufnahme von neuen Flugzeugen des Typs F-84 E Thunderjets musste die Betonbahn nochmals um weitere 600 Meter nach Westen erweitert werden. So erreichte sie die endgültugen Maße von 2744 Metern Länge und 46 Metern Breite. Auch im Kasernenbereich waren Anfang der 50er Jahre umfangreiche Bauarbeiten zu beobachten. Wie bei US-Streitkräften im Ausland üblich, entstand entstand hier ein „little USA“ mit vielen Wohngebäuden, wie sog. Sternbauten, einer Schule, einem Kindergarten sowie einer Kirche für alle Konfessionen. Die amerikanischen Soldaten und ihre Familien kauften steuerfreie Waren in der PX und Lebensmittel in der Commissary. Die Gebäude dieser Ladengeschäfte sind heute nicht mehr existent. 1952 verlegte die 36th FBW zu großen Teilen nach Bitburg in die Eifel. Zum gleichen Zeitpunkt traf die 84th Air Rescue Squadron in Fursty ein, um einen kompletten SAR-Dienst für Zentraleuropa zu gewährleisten. In dieser Zeit waren auch RF-80 Flugzeuge zu beobachten, die für die Kartenerstellung Europas genutzt wurden. Bis 1957 waren wiederholt Alarmrotten im „Zulu“-Hangar auf der Nordseite des Flugplatzes stationiert. Sie dienten der USAFE zur Sicherung des süddeutschen Luftraumes. Ab 1954 fand in Fursty umfangreicher Schulungsflugbetrieb statt. Durch das Mutual Defense Assistance Program (MDAP)kamen Lehrgangsteilnehmer aus vielen westeuropäischen Ländern, aber auch aus Jugoslawien, Pakistan und dem Iran nach Fürstenfeldbruck. Die ersten deutschen Jet-Piloten gehörten dem Lehrgang mit der Bezeichnung JF-1 (Jet Familiarization) an. Nachdem sie ein Refresher-Training auf T-6 in Penzing absolviert hatten begannen die 10 Teilnehmer im Frühjahr 1956 mit einer Schulung auf T-33 A.

Die Wiege der Luftwaffe

Kirche Sankt Michael

Die Kirche Sankt Michael war Teil von Umfangreichen Baumaßnahmen der amerikanischen Streitkräfte in Fursty. Sie wurde 1950 fertiggestellt und steht in der Nähe der Hauptwache.

Nach dem NATO-Beitritt der Bundesrepublik Deutschland am 6. Mai 1955 kamen deutsche Offiziere nach Fürstenfeldbruck, um die Grundlagen für eine schrittweise Übernahme des Fliegerhorstes Fürstenfeldbruck durch die Luftwaffe zu schaffen und die Aufstellung der Flugzeugführerschule (FFS) „B“ mit Beginn 1. Juni 1956 zu planen. Am 24. September 1956 trat die Luftwaffe an die Öffentlichkeit und der damalige Verteidigungsminister Theodor Blank (1905 – 1972) verlieh den ersten deutschen Piloten das Flugzeugführerabzeichen. An diesem Tag flogen erstmals drei Trainingsflugzeuge der Typen Piper L-18 C, Haravard Mark IV und Lockheed T-33 A mit deutschen Hoheitsabzeichen. Am 13. November 1956 wurden in Anwesenheit des neu ernannten Verteidigungsministers Franz Josef Strauß (1915 – 1988) die ersten Einsatzflugzeuge des Typs Republic F-84 F Thunderstreak übergeben. Sie gehörten zur neu aufgestellten Waffenschule der Luftwaffe 30, die im Oktober 1957 zu ihrem eigentlichen Heimatstandort Büchel in der Eifel verlegte. Die Jahre 1956 bis 1957 sind von Deutsch – Amerikanischer Zusammenarbeit geprägt und zielten auf die Übergabe der Kommandogewalt des Standortes Fürstenfeldbruck Ende 1957 hin. 1961 belegten 19 selbständige Dienststellen den Fliegerhorst Fürstenfeldbruck. Nach Verlegung der fliegerischen Grund- und Fortgeschrittenenausbildung in die USA wurde die 1958 in Erding aufgestellte Waffenschule der Luftwaffe (WaSLw) 50 im Februar 1964 nach Fürstengfeldbruck verlegt. Ab diesem Zeitpunkt fand die Waffensystemausbildung G.91 in Fursty statt. Mit Verlegung der Screeningluftfahrzeuge Piaggio P.149 D im Frühjahr 1973 von Neubiberg nach Fursty erhielt der Flugplatz eine zweite Start- und Landebahn. Ein Teil des nördlichen Rollweges wurde zur Runway für das Propellerflugzeug umfunktioniert. Im September 1974 verlegte auch die

NVA Offiziere

Am 10. September 1990 landeten mehrere Flugzeuge von Interflug, der ehemaligen staatlichen Fluggsellschaft der DDR, in Fürstenfeldbruck. Sie transportierten Offiziere der ehemaligen Nationalen Volksarmee (NVA), damit sie an Umschulungslehrgängen an der OSLw teilnehmen konnten. Jeweils sonntags folgten mehrfache Wiederholungen im 14tägigen Rhythmus, allerdings waren die ex-NVA-Offiziere dann bereits in Luftwaffenuniformen gekleidet.

Flugsicherheitsausbildung der Bundeswehr von Neubiberg zur WaSLw 50. Eine weitere Einrichtung aus Neubiberg folgte im Sommer 1977. Da die Hochschule der Bundeswehr hier im Oktober 1973 ihren Betrieb aufnahm, musste die dort beheimatete Offizierschule der Luftwaffe weichen und bezog das neu gebaute „blaue Palais“, wie der Gebäudekomplex im südöstlichen Teil des Fliegerhorstes genannt wird. Ab 1974 konnten auf dem Fliegerhorst Fursty umfangreiche Bautätigkeiten beobachtet werden, denn es wurde ein mit NATO-Finanzmitteln unterstütztes Härtungsprogramm umgesetzt. Im Herbst 1980 zogen die Angehörigen der beiden Jetstaffeln vom gemeinschaftlich genutzten Gebäude 544 in die neuen dislozierten Sozialbauten und Gefechtsstandsbunker um. Auch die Flugzeuge wurden auf dem Flugplatz verteilt und kamen in Flugzeugschutzbauten, sog. Shelter unter. Die Bodenprüfläufe der Jettriebwerke wurden leiser, da nun zwei Lärmschutzbauten zur Verfügung standen. Vis à vis zum Stabsgebäude 103 konnte bei Übungen und für Einsatzzwecke ein verbunkerter Geschwadergefechtsstand genutzt werden. Beim Bau des Munitionsmontage-Shelters und neuen Kontrollturms kam es zu Verzögerungen, so konnten sie erst mit mehrmonatiger Verspätung eingeweiht werden. Mit Außerdienststellung der Piaggio P.149 D im Frühjahr 1990 endete das Screening von Pilotenanwärtern in Fursty. Am 23. März 1994 wurde als eine Maßnahme der Luftwaffenstruktur 4 das JaboG 49 im Rahmen eines feierlichen Appells aufgelöst. Die Fluglehrgruppe Fürstenfeldbruck übernahm mit 30 Flugzeugen die taktische Grundausbildung zukünftiger Tornado-Besatzungen bis 1997, bevor auch sie Ende Juni 1997 aufgelöst und der Alpha Jet bei der Luftwaffe endgültig außer Dienst gestellt wurde. Damit endete die Karriere von Fursty als Wiege der Luftwaffe bzw. als Fliegerhorst – und zurück blieb die Kasernenanlage von Fürstenfeldbruck, so wie wir sie heute kennen.

Luftaufnahme Fliegerhorst Fürstenfeldbruck 2005

Luftaufnahme des Fliegerhorstes Fürstenfeldbruck aus dem Jahr 2005 mit Blickrichtung Norden. Im Vordergrund ist der Komplex der Offiziersschule der Luftwaffe, auch „blaues Palais“ genannt, zu sehen. Dahinter erstrecken sich der Kilometerbau, der Flugbetriebsbereich mit den Flugzeugschutzbauten (Sheltern), der Start- und Landebahn 09/27 und die Ortschaft Maisach.

Dieser Beitrag wurde uns vom Verein “Gemeinschaft JaboG 49 e.V. zur Verfügung gestellt, wofür wir uns an dieser Stelle bedanken wollen.

Verfasser: Harald Meyer, Fotos: LMWLw, Meyer
Überarbeitung: SJWae

Fliegerhorst Fürstenfeldbruck

Fursty – der Fliegerhorst Fürstenfeldbruck

Der nachfolgende Beitrag bildet den Auftakt zu einer Serie von Artikeln, die die Geschichte vom und Geschichten rund um den Fliegerhorst Fürstenfeldbruck erzählen.

Die Geschichte eines Fliegerhorstes spiegelt die Entwicklung der politischen Landschaft und der Gesellschaft wider. Die unterschiedlichen Epochen der noch relativ jungen Bundesrepublik Deutschland projizieren sich als Entwicklungen auf solche Standorte und die Reaktion der Bevölkerung lässt Rückschlüsse auf den jeweils herrschenden Zeitgeist zu.

Verfolgen Sie eine derartige Historie aus dem Blickwinkel der Insider. Durch Auswahl der Kategorien “Fursty” und “History” lassen sich diese Beiträge auch in Zukunft immer leicht auffinden.

B16.SJWae

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